
Wie digital sind Deutschlands Bürgerämter? Düsseldorf führt Ranking im bundesweiten Vergleich an
Ob Wohnsitzummeldung, Führungszeugnis oder Reisepass: Das Bürgeramt der Modestadt Düsseldorf bietet 2026 höchsten Digitalisierungsgrad der deutschen Bürgerämter. Wie digital die Prozesse wirklich sind, unterscheidet sich je nach Stadt und Leistung deutlich. Unsere Analyse zeigt, wie weit die Bürgerämter in den 20 größten deutschen Städten 2026 digitalisiert sind.
Für die Analyse wurden elf typische Bürgeramtsleistungen untersucht, darunter Wohnsitzan- und -ummeldungen, Urkundenbestellungen und Passangelegenheiten. Bewertet wurde nicht nur, ob Informationen oder Formulare online verfügbar sind, sondern auch, wie vollständig der jeweilige Prozess digital abläuft. Dafür wurde ein digitaler Reifegrad von 0 bis 4 vergeben, von „Dienstleistung digital nicht auffindbar“ bis „vollständig Ende-zu-Ende digital“. Düsseldorf liegt mit 86,4 von 100 Punkten an der Spitze des Rankings.
Düsseldorf hat die digitalsten Bürgerämter unter Deutschlands Großstädten
Hinter Spitzenreiter Düsseldorf teilen sich München und Frankfurt mit jeweils 84,8 Punkten den zweiten Platz. Auch Berlin und Essen gehören zu den fünf Städten mit den am stärksten digitalisierten Bürgerämtern. Die Spitzengruppe liegt eng beieinander: Zwischen Düsseldorf und den zweitplatzierten Städten München und Frankfurt liegen nur 1,6 Punkte. Deutlicher ist der Abstand zum unteren Ende des Rankings. Duisburg landet mit 68,2 Punkten auf dem letzten Platz, davor liegen Bremen mit 70,5 Punkten und Dresden mit 72,7 Punkten. Zwischen Düsseldorf und Duisburg liegen damit 18,2 Punkte.
Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich vor allem in der oberen Hälfte des Rankings Bewegung. Düsseldorf verbessert sich von Platz sechs auf Platz eins und macht damit den größten Sprung an der Spitze. Auch München rückt deutlich nach vorn: 2025 lag die Stadt noch auf Platz zehn. Frankfurt kann seine starke Position aus dem Vorjahr weitgehend halten und bleibt in der Spitzengruppe. Am unteren Ende fällt die Veränderung geringer aus. Bremen und Duisburg belegten bereits im Vorjahr die letzten beiden Plätze.
Wohnsitzummeldung ist digitaler Spitzenreiter, Beglaubigungen bleiben Schlusslicht
Besonders weit digitalisiert sind vor allem standardisierte Bürgeramtsleistungen. Wohnsitzan- und -ummeldungen erreichen in allen 20 untersuchten Städten den höchsten Wert. Damit ist diese Leistung in allen größten Städten Deutschlands vollständig Ende-zu-Ende digital möglich. Auch Urkundenbestellungen sind in 19 von 20 Städten stark digitalisiert. Ähnlich gut schneiden Leistungen rund um das Handwerk ab, etwa die Eintragung eines handwerksähnlichen Gewerbes bei der Handwerkskammer. Bei der Beantragung der Hundesteuer erreichen 18 von 20 Städten den höchsten Wert. Deutlich schwächer schneiden dagegen Leistungen ab, bei denen persönliche Identifikation, Originaldokumente oder eine physische Ausgabe eine größere Rolle spielen. Am Ende des Rankings steht die Beglaubigung von Kopien: 15 von 20 Städten erreichen hier den niedrigsten Wert. Auch Personal- und Reisepassangelegenheiten bleiben vielerorts nur teilweise digital. Keine der untersuchten Städte erreicht hier den höchsten Wert.
Online möglich heißt nicht automatisch vollständig digital
Ein Online-Angebot bedeutet nicht automatisch, dass ein Verwaltungsprozess vollständig digital ist. Viele Leistungen lassen sich zwar online starten, zum Beispiel durch herunterladbare Formulare, digitale Antragsvorbereitung oder Online-Terminbuchung. Häufig bleiben jedoch analoge Schritte notwendig, etwa persönliche Vorsprachen, postalische Nachreichungen, Unterschriften oder die Abholung von Dokumenten vor Ort.
Wenn von Bürgerämtern die Rede ist, dreht sich das Gespräch oft um Bürokratie, Wartezeiten und die Notwendigkeit, Behörden persönlich aufzusuchen. Unsere Analyse zeigt, dass viele Städte bereits daran arbeiten, diese Hürden durch Digitalisierung abzubauen. Dennoch sind persönliche Termine, Unterschriften und die Einreichung von Unterlagen nach wie vor Teil vieler Verwaltungsverfahren. Die Herausforderung besteht darin, öffentliche Dienstleistungen einfacher und schneller zu gestalten und dabei Datenschutz und Sicherheit zu gewährleisten. Dies lässt sich erreichen, indem unnötiger Papierkram reduziert, Dienstleistungen abteilungsübergreifend integriert und der Einsatz sicherer digitaler Identitäten sowie elektronischer Signaturen ausgeweitet wird. Letztendlich sollten öffentliche Dienstleistungen benutzerfreundlich, barrierefrei und auf die Bedürfnisse der Bürger zugeschnitten sein”, sagt Ramon O’Callaghan, Präsident der Gisma University of Applied Sciences.