
Kostendeckungsanalyse zum Auslandsstudium mit dem Erasmus-Programm: Reicht die monatliche Förderung den Studierenden zum Leben?
In vielen Erasmus-Zielländern reicht die monatliche Förderung nicht aus, um die tatsächlichen Lebenshaltungskosten zu decken. Das hat eine von uns durchgeführte Analyse gezeigt. Erasmus ist das von der Europäischen Union finanzierte Förderprogramm für mehrmonatige Studienaufenthalte im Ausland. Kurz vor den zentralen Bewerbungsfristen für das Studienjahr 2026/27 Ende Januar haben wir die offiziellen KA131-Fördersätze der Europäischen Kommission mit den Lebenshaltungskosten in 33 teilnehmenden Ländern verglichen. Das Ergebnis: In zahlreichen Ländern entstehen monatliche Finanzierungslücken von mehreren hundert Euro.
Monatliche Förderung deckt Lebenskosten in vielen Ländern nicht
Die monatliche Erasmus-Förderung liegt je nach Herkunftsland im Durchschnitt zwischen 506 und 584 Euro. In vielen nord- und westeuropäischen Zielländern reicht dieser Betrag nicht aus, um die laufenden Lebenshaltungskosten zu decken – selbst wenn Studierende in Wohngemeinschaften leben und außerhalb des Stadtzentrums wohnen. In mehreren Ländern entsteht eine monatliche Finanzierungslücke von 200 bis 300 Euro, die in einzelnen Fällen sogar 300 bis 500 Euro beträgt. Besonders groß fällt diese Lücke in Island (–389 Euro außerhalb, –539 Euro im Stadtzentrum), Irland (–276 bzw. –381 Euro), Luxemburg (–305 bzw. –419 Euro), den Niederlanden (–212 bzw. –350 Euro) sowie in Liechtenstein (–202 bzw. –240 Euro) aus.
Am Beispiel Island wird die Dimension dieser Finanzierungslücke besonders deutlich: Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für Studierende liegen dort bei rund 970 Euro außerhalb und etwa 1.100 Euro innerhalb des Stadtzentrums. Berücksichtigt wurden dabei Kosten für Miete, Nebenkosten, Internet und öffentlichen Nahverkehr. Bei einer durchschnittlichen Erasmus-Förderung von maximal 584 Euro ergibt sich daraus ein monatliches Minus von rund 390 bis 540 Euro, das Studierende selbst ausgleichen müssen.
Wohnlage als Schlüsselfaktor – besonders relevant in beliebten Zielländern
Während die monatliche Erasmus-Förderung in den meisten Ländern nicht ausreicht, um die laufenden Ausgaben im Stadtzentrum zu decken, fällt die Rechnung außerhalb des Stadtzentrums in einigen Ländern deutlich besser aus. In Ländern wie Österreich, Portugal oder Tschechien liegt die finanzielle Differenz dort teils nahe bei null oder leicht im Plus.
Dieses Muster zeigt sich auch in den beliebtesten Zielländern des Erasmus-Programms. Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland und Portugal gehörten im Studienjahr 2024/25 zu den häufigsten Zielorten. In diesen Ländern liegt die durchschnittliche monatliche Erasmus-Förderung zwischen 506 und 584 Euro, während die Lebenshaltungskosten diesen Betrag häufig übersteigen. Je nach Wohnlage ergibt sich meist ein monatliches Minus von rund 50 bis 200 Euro. Besonders deutlich fällt die Finanzierungslücke in Italien aus. In Spanien ergibt sich je nach Wohnlage ein deutlicher Unterschied: Im Stadtzentrum bleibt rechnerisch ein Minus von –7,86 Euro, außerhalb des Stadtzentrums ein Plus von +81,88 Euro. Ein ähnliches Muster zeigt sich auch in Deutschland und Portugal. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen betrifft diese Differenz viele Studierende.
„In einer globalisierten Bildungslandschaft gewinnen internationale Studienerfahrungen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt unsere Analyse, dass Studierende ihren Auslandsaufenthalt aus finanzieller Sicht besonders sorgfältig planen müssen. Studieninteressierte benötigen daher Zugang zu realistischen und transparenten Informationen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können“, sagt Prof. Dr. Ramon O’Callaghan, Präsident der Gisma University of Applied Sciences.
Über die Analyse
Für die Analyse wurden die monatlichen Erasmus-Förderbeträge im Hochschulbereich mit den durchschnittlichen Lebenshaltungskosten in 33 teilnehmenden Ländern verglichen. Grundlage sind die offiziellen KA131-Fördersätze der Europäischen Kommission; da sich diese je nach Herkunftsland unterscheiden, wurde für jedes Zielland ein Mittelwert berechnet. Die Lebenshaltungskosten basieren auf Numbeo-Daten und umfassen Miete, Nebenkosten, Internet und öffentlichen Nahverkehr. Es wurde von Wohngemeinschaften ausgegangen. Entsprechend wurden die Kosten – mit Ausnahme des ÖPNV – geteilt. Region 13 und 14 wurden aufgrund abweichender Bedingungen nicht berücksichtigt. Zur Einordnung der beliebtesten Zielländer wurden zusätzlich die Erasmus+-Teilnehmerzahlen der EU für die Studienjahre 2017/18 bis 2024/25 ausgewertet.
Über die Gisma University of Applied Sciences
Die Gisma University of Applied Sciences ist eine staatlich anerkannte private Hochschule mit Standorten in Potsdam und Berlin. Studierende und Lehrende aus mehr als 90 Nationen bringen globale Perspektiven in die Programme in Management, Leadership, Data Sciences, Künstliche Intelligenz und Software Engineering ein. Die Lehre verbindet akademische Forschung mit Praxiserfahrungen von Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern. Ziel der Hochschule ist es, Studierende auf die Managementpraxis in einer komplexen, sich wandelnden Welt vorzubereiten und Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft zu setzen.
Die Gisma pflegt aktive Karrierepartnerschaften mit Unternehmen wie Zalando, eBay, SAP sowie Amazon und ist Mitglied der SAP University Alliances. Pro Jahr trägt sie rund 126,5 Millionen Euro zur Wirtschaftsleistung in Berlin-Brandenburg bei (BSIS). Über 74 Prozent der Absolventinnen und Absolventen bleiben in der Region; mehr als 15 von Studierenden und Alumni gegründete Start-ups haben über 120 Arbeitsplätze geschaffen. 2025 wurde die Gisma als eine von nur zwei Hochschulen in Deutschland mit dem BSIS Impact Label der EFMD ausgezeichnet. Alle Studiengänge sind staatlich anerkannt und durch die FIBAA sowie den Akkreditierungsrat akkreditiert. Die Gisma ist Teil der GUS Germany GmbH (GGG), einem Netzwerk von Hochschuleinrichtungen mit mehr als 18.000 Studierenden in Deutschland, Europa und weltweit.www.gisma.com |www.gusgermany.com