
Analyse zur Quellenvielfalt: Unterschiede zwischen Wikipedia und Grokipedia
Für die Analyse wurden sämtliche Einträge zu den 40 DAX-Unternehmen auf Wikipedia und Grokipedia untersucht. Insgesamt flossen 8.443 Quellen in die Auswertung ein, 3.012 auf Wikipedia und 5.430 auf Grokipedia. Grokipedia listet damit rund 80 Prozent mehr Quellen als Wikipedia. Die Unterschiede zwischen beiden Plattformen zeigen sich jedoch weniger in der reinen Anzahl der Nachweise als in der Struktur und Herkunft der verwendeten Quellen.
Wikipedia: Journalistische Quellen prägen die Einträge
Wikipedia stützt sich überwiegend auf Medien- und Nachrichtenquellen. 59,83 Prozent aller ausgewerteten Nachweise stammen aus journalistischer Berichterstattung. Unternehmenseigene Webseiten machen 23,14 Prozent der Quellen aus. Ergänzt wird der Quellenmix durch Verweise auf andere Wikipedia-Seiten (8,23 Prozent), wissenschaftliche Publikationen (3,62 Prozent) sowie rechtliche oder staatliche Quellen (2,69 Prozent).
Der Anteil der jeweiligen Quellenarten variiert deutlich zwischen einzelnen Unternehmen. Bei einigen Wikipedia-Einträgen dominiert die journalistische Berichterstattung besonders stark, während andere Einträge einen vergleichsweise hohen Anteil unternehmenseigener Quellen aufweisen. Wissenschaftliche Quellen spielen insgesamt eine untergeordnete Rolle, treten jedoch bei einzelnen Unternehmen sichtbar hervor. Auch die absolute Anzahl der Nachweise unterscheidet sich stark: Besonders umfangreiche Quellenapparate finden sich unter anderem bei den Einträgen zu Commerzbank, Deutscher Bank und Bayer.
Grokipedia: Unternehmensangaben deutlich stärker vertreten
Auf Grokipedia verteilt sich der Quellenmix anders. 46,26 Prozent der Nachweise entfallen auf Medien- und Nachrichtenquellen, während 41,84 Prozent aus unternehmenseigenen Webseiten stammen. Weitere Anteile machen wissenschaftliche Quellen (2,39 Prozent) sowie rechtliche oder staatliche Quellen (3,00 Prozent) aus. Verweise auf andere Wikipedia-Seiten spielen mit 0,02 Prozent praktisch keine Rolle.
Auch bei Grokipedia zeigt sich eine große Spannbreite zwischen den einzelnen Unternehmen. Während bei einigen Einträgen journalistische Quellen überwiegen, dominieren bei anderen unternehmenseigene Angaben deutlich. Wissenschaftliche Nachweise sind insgesamt selten, treten jedoch bei einzelnen Unternehmen häufiger auf. Betrachtet man die absolute Anzahl der Quellen, weisen insbesondere die Grokipedia-Einträge zu BMW, Volkswagen und Zalando eine hohe Quellendichte auf.
Unterschiedliche Einbettung in bestehende Wissensstrukturen
Ein struktureller Unterschied zeigt sich in der Einbettung beider Plattformen in bestehende Wissenssysteme. Wikipedia verweist in nennenswertem Umfang auf eigene Artikel und interne Verknüpfungen, während solche Verweise auf Grokipedia nahezu vollständig fehlen. Damit unterscheiden sich die Plattformen nicht nur hinsichtlich der Herkunft einzelner Quellen, sondern auch in der Art, wie Informationen kontextualisiert und miteinander verknüpft werden.
KI-basierte Systeme als Quellen ausschließlich bei Grokipedia
Ein weiterer Unterschied betrifft den Umgang mit Künstlicher Intelligenz als Quelle. In den Grokipedia-Einträgen wurden in fünf Fällen explizit KI-basierte Systeme als Nachweis angegeben, unter anderem bei Allianz, BMW, Siemens und Zalando. Auf Wikipedia wurden keine KI-Systeme als Quelle identifiziert. Der Anteil ist insgesamt gering, verweist jedoch auf unterschiedliche Ansätze bei der Referenzierung von Informationen.
„Quantität ist nicht gleich Qualität, das zeigt unsere Untersuchung sehr deutlich”, erklärt Prof. Dr. Ramon O’Callaghan, Präsident der Gisma University of Applied Sciences. “Gerade in einer Zeit, in der Informationen massenhaft verfügbar und leicht manipulierbar sind, kommt der Qualität und Herkunft von Quellen eine zentrale Bedeutung zu. Dabei ist klar: Wikipedia ist kein wissenschaftliches Publikationsorgan und ersetzt keine akademische Forschung. Dennoch zeigt sich, dass eine breite, journalistisch geprägte und überprüfbare Quellenbasis ein Mindestmaß an Transparenz und Nachvollziehbarkeit schafft. Wissensplattformen tragen Verantwortung dafür, wie Realität konstruiert wird. Wer überwiegend auf unternehmenseigene Quellen setzt, fördert keine Vielfalt, sondern kontrolliert Narrative. Das ist kein neutraler Akt, sondern eine Form von Deutungshoheit. Genau hier stellt sich die Frage nach Verantwortung im Umgang mit Wissen heute mehr denn je.”
Über die Untersuchung
Erfasst und ausgewertet wurden sämtliche Wikipedia- und Grokipedia-Einträge zu den 40 DAX-Unternehmen. Alle verlinkten Quellen wurden den Kategorien eigene Unternehmensseite, Medien/News, andere Unternehmensseite sowie wissenschaftliche Quelle zugeordnet und anteilig ausgewertet. Stichtag der Erhebung war der 30. Oktober 2025.