Deutsche Firmenexits: Diese Hochschulen bringen die erfolgreichsten Gründer:innen hervor

Die WHU – Otto Beisheim School of Management gilt als erfolgreiche Gründerschmiede. In der aktuellen Auswertung der Gisma University of Applied Sciences  liegt sie jedoch nicht vorn. Wie bereits 2024 steht auch 2025 wieder eine Münchner Hochschule an der Spitze des Datensatzes zu Exit-Gründer:innen aus der DACH-Region, dieses Mal die Technische Universität München mit 34 Gründer:innen. Auch bei den Studienfächern zeigt sich ein klares Muster: Besonders häufig vertreten sind Informatik, Betriebswirtschaftslehre und verwandte wirtschaftsnahe Disziplinen. Der Master ist der am häufigsten erfasste akademische Abschluss.

Technische Universität München führt das Ranking deutlich an

Für die Untersuchung wurden 196 Exit-Unternehmen aus der DACH-Region ausgewertet,  also Start-ups, bei denen es zu einem Unternehmensverkauf, einer Übernahme oder einem Börsengang gekommen ist. Dabei konnten insgesamt 436 Gründer:innen identifiziert werden. Am häufigsten vertreten ist die Technische Universität München mit 34 Gründer:innen. Auf Platz zwei folgt die Ludwig-Maximilians-Universität München mit 15, auf Platz drei die RWTH Aachen mit zehn.
Dahinter liegen die Universität St. Gallen mit neun sowie die Technische Universität Berlin, die Universität Münster und die Universität zu Köln mit jeweils acht Gründer:innen. Ebenfalls stark vertreten ist die WU Wirtschaftsuniversität Wien mit sieben Nennungen. Die Harvard Business School, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Universität Paderborn kommen jeweils auf sechs, während unter anderem die ETH Zürich, die Freie Universität Berlin, das Karlsruher Institut für Technologie, die Fachhochschule Wedel, die Technische Universität Wien und die WHU – Otto Beisheim School of Management jeweils fünf Gründer:innen stellen.
Mit zusammen 49 Gründer:innen entfallen mehr als neun Prozent der identifizierten Personen im Datensatz auf die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität München.

Informatik vor Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik


Auch bei den Studienfächern zeigt sich ein klarer Schwerpunkt auf technologie- und wirtschaftsnahen Disziplinen. Am häufigsten vertreten ist Informatik mit 36 Nennungen. Dahinter folgt Betriebswirtschaftslehre mit 33. Auf Platz drei liegt Wirtschaftsinformatik mit 25 Nennungen. Es folgen Wirtschaftswissenschaften mit 20 sowie Wirtschaftsingenieurwesen mit 15. Business Administration wurde mit 14 Nennungen separat erfasst, da internationale Studiengangsbezeichnungen nicht pauschal deutschen Fächerkategorien zugeordnet wurden. Dadurch kann sich die Reihenfolge einzelner Fächer je nach Zusammenfassung leicht verändern.
Weitere häufig vertretene Fächer sind Jura mit neun sowie Physik und Volkswirtschaftslehre mit jeweils acht Nennungen. Medizin, Mathematik, Psychologie, Elektrotechnik und internationales Management sind jeweils fünfmal vertreten.
Insgesamt verteilen sich die identifizierten Gründer:innen auf eine große Bandbreite unterschiedlicher Studienrichtungen, von Ingenieurwissenschaften über Philosophie bis zu Gesundheitsökonomie, Publizistik oder Luft- und Raumfahrttechnik.

Gründerbild ist klar männlich geprägt


Auch beim Geschlecht zeigt die Auswertung ein deutliches Bild: Von den 436 erfassten Gründer:innen wurden auf Basis der Vornamen 390 Personen als eher männlich und 46 als eher weiblich eingeordnet. Das entspricht rund 89,4 Prozent Männern und 10,6 Prozent Frauen. Die Analyse der Vornamen unterstreicht dieses Bild zusätzlich: Am häufigsten vertreten sind Matthias (zehn Nennungen), Daniel, Sebastian und Thomas (je neun) sowie Andreas, Max, Michael, Philipp und Stefan (je acht). Ebenfalls häufig kommt Christoph mit sieben Nennungen vor. Unter den weiblichen Vornamen sind Julia mit vier sowie Katrin mit drei Nennungen am häufigsten vertreten. Dagmar, Lisa und Mona kommen jeweils zwei Mal vor.
Unter den erfassten Vornamen finden sich zudem 50 international geprägte Namen. Namen wie Amir und Nikolai kommen dabei jeweils zweimal vor.

Master-Abschluss ist mit Abstand am häufigsten vertreten
Beim höchsten erfassten akademischen Abschluss liegt der Master klar an der Spitze. 156 Gründer:innen verfügen über einen Master-Abschluss. Dahinter folgen Bachelor mit 63 sowie Diplom mit 48 Nennungen. Für weitere 48 Personen lagen keine Angaben zum Abschluss vor. Doktortitel wurden insgesamt 49 Mal erfasst, aufgeteilt auf 45 Nennungen als „Doktor“ und 4 weitere Einträge mit abweichender Schreibweise. Hinzu kommen fünf Staatsexamina sowie eine Habilitation.
Ein fortgeschrittener akademischer Abschluss ist unter Gründer:innen mit Exit-Erfolg besonders häufig vertreten.

„Die Ergebnisse zeigen ziemlich klar, wie wichtig technologie- und managementorientierte Studienrichtungen für Gründer sind, die später erfolgreiche Exits erzielen. Gerade in einer sich schnell verändernden Innovationslandschaft kommt es immer mehr darauf an, analytische, digitale und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten miteinander zu verbinden. Deshalb setzen Hochschulen wie die Gisma University of Applied Sciences gezielt auf Inhalte wie Künstliche Intelligenz, Data Science und Betriebswirtschaft, um Studierende praxisnah auf unternehmerische Herausforderungen vorzubereiten“, sagt Sara Ramzani, Professorin für Forschung und quantitative Methoden und Vizepräsidentin an der Gisma University of Applied Sciences.
„Gleichzeitig macht die Analyse aber auch deutlich, dass es im Start-up-Ökosystem weiterhin ein spürbares Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern gibt – Frauen sind nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Um das zu ändern, braucht es einen aktiveren und ganzheitlicheren Ansatz von Hochschulen: von früher Förderung über gezielte Unterstützung bis hin zu inklusiven Umfeldern, die mehr Frauen ermutigen, unternehmerische Wege einzuschlagen. Mehr Vielfalt im Unternehmertum ist dabei nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch ein entscheidender Faktor für Innovation, Widerstandsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum.“

Über die Untersuchung


Für die Untersuchung wurden 196 Unternehmen aus der DACH-Region ausgewertet, bei denen ein Exit identifiziert wurde. Darunter fallen Unternehmensverkäufe, Übernahmen und Börsengänge. Grundlage war eine Übersicht von deutsche-startups.de aus dem Jahr 2025, die manuell bereinigt wurde. Ausgeschlossen wurden Fälle ohne tatsächlichen Exit im engeren Sinne, etwa wenn Unternehmen selbst andere Firmen übernommen hatten, ohne dass Gründer:innen einen Exit-Erlös erzielten.
Die Angaben zu Gründer:innen sowie zu Hochschulen, Studienfächern und Abschlüssen wurden überwiegend über LinkedIn und ergänzend über weitere öffentliche Online-Quellen recherchiert. Erfasst wurde jeweils der höchste akademische Abschluss; nicht-akademische Ausbildungen und abgebrochene Studiengänge wurden nicht berücksichtigt. Mehrere gleichwertige akademische Abschlüsse einer Person wurden einzeln erfasst.
Zur besseren Vergleichbarkeit wurden Studiengänge teilweise vereinheitlicht. Internationale Bezeichnungen wie „Business Administration“ blieben jedoch separat, wenn eine eindeutige Zuordnung zu deutschen Kategorien nicht möglich war. Dadurch kann sich die Rangfolge einzelner Fächer je nach Kategorisierung verändern.
Da die Untersuchung auf öffentlich zugänglichen Informationen basiert, konnten nicht alle Angaben vollständig erhoben werden. Bei 67 Gründer:innen ließ sich keine Universität identifizieren, bei 25 kein Studienfach und bei 48 kein Abschluss. Zudem beruht ein Teil der Daten auf Angaben aus öffentlich einsehbaren Profilen und damit auf Selbstangaben, die nicht in jedem Fall unabhängig verifiziert werden konnten. Die Auswertung erhebt daher keinen Anspruch auf vollständige oder amtlich geprüfte Angaben, sondern bildet öffentlich nachvollziehbare Bildungsbiografien im untersuchten Sample ab. Zudem ist der Begriff „Startup“ nicht einheitlich definiert, weshalb sich in der Datengrundlage auch ältere Unternehmen finden.


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