Zwischen Boom und Pleite: Deutschlands Städte im Insolvenzcheck

Wie stabil ist der Wirtschaftsstandort Deutschland wirklich? Unsere aktuelle Analyse zeigt: Zwischen 2023 und 2025 kamen in den 20 größten deutschen Städten auf 125.138 Unternehmensregistrierungen 13.197 Insolvenzen. Dabei spielt auch der Standort eine große Rolle – die Insolvenzquoten variieren in einzelnen Städten teilweise enorm. Während in Wuppertal mehr als jede vierte Gründung (28,2 Prozent) im Untersuchungszeitraum von einer Insolvenz begleitet wurde, liegt die Quote in Leipzig bei nur 3,0 Prozent.

Insolvenzquote: Wuppertal und Bielefeld mit größtem wirtschaftlichen Risiko

Setzt man die Zahl der Insolvenzen ins Verhältnis zu den Neugründungen, ergibt sich ein differenziertes Bild wirtschaftlicher Stabilität. Die von uns erhobene Insolvenzquote gibt an, wie viele Unternehmensinsolvenzen im Verhältnis zu den Unternehmensgründungen in einer Stadt verzeichnet wurden – je höher der Wert, desto mehr Insolvenzen gab es also im Vergleich zu Neugründungen. Am angespanntesten ist die Lage für die Jahre 2023–2025 in Wuppertal (28,2 Prozent), Bielefeld (20,6 Prozent) und Münster (18,6 Prozent). Hier scheitert ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Unternehmen im Verhältnis zur Gründungsdynamik. 


Stabiler zeigen sich Leipzig (3,0 Prozent) und Dresden (3,4 Prozent): Beide sächsischen Großstädte verzeichnen trotz hoher Gründungszahlen nur vergleichsweise wenige Insolvenzen und erweisen sich deutschlandweit als am stabilsten für Unternehmer. Auch Bremen (8,4 Prozent) liegt mit einer Quote deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 10,5 Prozent Insolvenzquote. 

„Die Unterschiede zwischen den Städten geben Anlass, genauer hinzusehen. Leipzig und Dresden weisen in diesem Vergleich über alle drei Jahre hinweg niedrige Werte auf. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine Gründung dort automatisch bessere Erfolgschancen hat. Wir vergleichen Unternehmensinsolvenzen mit neuen Registrierungen und verfolgen nicht dieselben Unternehmen über die Zeit. Wer diese Zahlen für wirtschaftliche Entscheidungen nutzt, muss deshalb auch verstehen, was sie messen und wo ihre Aussagekraft endet“, erklärt Sara Ramzani, Vizepräsidentin für akademische Angelegenheiten der Gisma University of Applied Sciences.

Jahresvergleich: Risikostädte bleiben stabil hoch, Bundesquote verbessert sich 2025

Der Blick auf die einzelnen Jahre zeigt, dass die Risikostädte ihre Position durchgehend halten: Wuppertal weist in allen drei Jahren mit Abstand die höchste Quote auf (27,0 Prozent 2023, 35,0 Prozent 2024, 25,2 Prozent 2025), gefolgt von Bielefeld (23,6 / 28,0 / 14,6 Prozent) und Münster (13,1 / 23,6 / 19,8 Prozent). Auch wenn die Werte einzelner Jahre schwanken, zeigt sich das Bild einer strukturell höheren Insolvenzgefahr in diesen Städten.

Auf der anderen Seite bleiben Dresden und Leipzig in jedem der drei Jahre die stabilsten Standorte: Beide liegen durchgehend unter 4,1 Prozent und damit weit unter dem Bundesdurchschnitt. Entgegen der leichten Entspannung im Jahr 2025 stieg das Insolvenz-Gründungs-Verhältnis in Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und Bremen über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg an, am deutlichsten in Dortmund (von 11,8 auf 15,9 Prozent) und Stuttgart (von 8,2 auf 14,8 Prozent).

Bundesweit hat sich die Lage 2025 leicht entspannt: Die Insolvenzquote stieg zunächst von 9,47 Prozent (2023) auf 11,53 Prozent (2024), sank 2025 aber wieder auf 10,63 Prozent. Dahinter steht eine gegenläufige Entwicklung bei den absoluten Zahlen: Die Insolvenzen nahmen von 3.861 (2023) auf 4.689 (2024) zu (+21,4 Prozent) und gingen 2025 mit 4.647 Verfahren leicht zurück (-0,9 Prozent). Gleichzeitig zogen die Unternehmensgründungen 2025 wieder spürbar an: Nach 40.774 (2023) und 40.654 (2024) Neuregistrierungen wurden 2025 insgesamt 43.710 Unternehmen registriert, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

“Eine gute Geschäftsidee allein sichert noch keine wirtschaftliche Tragfähigkeit. Gründerinnen und Gründer müssen verstehen, wie Kosten, Nachfrage und Zahlungsfristen auf ihre Liquidität wirken. Finanzielle Kompetenz bedeutet, Risiken früh zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen, bevor Handlungsspielräume enger werden. Als Hochschule sehen wir es als unsere Aufgabe, Studierende darauf vorzubereiten, Daten kritisch zu bewerten und dieses Wissen in verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln zu übersetzen“, sagt Sara Ramzani, Vizepräsidentin für akademische Angelegenheiten der Gisma University of Applied Sciences.  

Absolute Zahlen: Berlin, Hamburg und München mit den meisten Insolvenzen 

Bei der absoluten Zahl der Insolvenzverfahren führt Berlin mit 3.782 Verfahren im Dreijahreszeitraum, vor Hamburg (1.890) und München (970). Auf Platz 4 liegt Köln mit 847 registrierten Insolvenzen in den drei Jahren, gefolgt von Düsseldorf (767). 

Berlin ist zugleich auch die gründungsstärkste Stadt Deutschlands: Mit 30.026 Neuregistrierungen zwischen 2023 und 2025 entfällt hier fast ein Viertel aller Gründungen der untersuchten Städte. Die hohe absolute Insolvenzzahl relativiert sich entsprechend im Verhältnis zur Gründungsdynamik (12,6 Prozent). Am wenigsten Insolvenzverfahren registrierten Bonn (198), Duisburg (211) und Münster (218).

Über die Untersuchung
Für die Analyse wurden die 20 größten Städte Deutschlands ausgewählt und die Unternehmensregistrierungen sowie eröffneten Insolvenzverfahren der Jahre 2023 bis 2025 erhoben. Grundlage bildet größtenteils die Regionaldatenbank Deutschland, insbesondere die Tabellen „Gewerbeanmeldungen” (52311-01-04-4) und „Insolvenzverfahren – Unternehmen” (52411-02-01-4). Insolvenzverfahren von Verbrauchern (privaten, nicht-geschäftlichen Personen) wurden nicht berücksichtigt. Für Sachsen stammen die Daten vollständig aus der landeseigenen GENESIS-Datenbank. Ergänzend fehlende Werte, insbesondere für das Jahr 2025, wurden über das Unternehmensregister (unternehmensregister.de) sowie die Insolvenzbekanntmachungen (neu.insolvenzbekanntmachungen.de) recherchiert. Für alle Städte wurden einheitliche Kategorien und Tabellen zugrunde gelegt, um die Vergleichbarkeit der Werte sicherzustellen. Im letzten Schritt wurden Neuregistrierungen und Insolvenzen je Stadt ins Verhältnis gesetzt, um eine vergleichbare Insolvenzquote zu bilden.


Verwandte Blogs

Rathaus-Report 2026: Männlich, CDU-nah, besser bezahlt – Deutschlands Oberbürgermeister:innen im Überblick

Am 13. September wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt, parallel dazu stehen in zahlreichen Kommunen auch Oberbürgermeisterwahlen an. Ein guter Anlass, um die aktuelle Zusammensetzung der Rathausspitzen in Deutschland zu untersuchen. Wir hatten diese Untersuchung bereits im vergangenen Jahr durchgeführt und sie nun für 2026 wiederholt. Das Ergebnis ist stabil: Nach wie vor sind
Mehr lesen

Wie digital sind Deutschlands Bürgerämter? Düsseldorf führt Ranking im bundesweiten Vergleich an

Ob Wohnsitzummeldung, Führungszeugnis oder Reisepass: Das Bürgeramt der Modestadt Düsseldorf bietet 2026 höchsten Digitalisierungsgrad der deutschen Bürgerämter.   Wie digital die Prozesse wirklich sind, unterscheidet sich je nach Stadt und Leistung deutlich. Unsere Analyse zeigt, wie weit die Bürgerämter in den 20 größten deutschen Städten 2026 digitalisiert sind.  Für die Analyse wurden elf typische Bürgeramtsleistungen
Mehr lesen

EU-Arbeitserlaubnis-Analyse: Rumänien, Portugal und Bulgarien mit den niedrigsten Gehaltshürden für internationale Fachkräfte – Expats in Deutschland müssen mindestens 50.000 Euro für eine Blue Card verdienen

Fachkräfte aus Drittstaaten, die in Deutschland arbeiten möchten, müssen dafür mindestens 50.700 Euro jährlich verdienen. So sieht es die EU-Blue-Card vor, die europaweit als Arbeitserlaubnis für hochqualifizierte Nicht-EU-Bürger gilt. Trotz einer gemeinsamen EU-Richtlinie, die den Rahmen vorgibt, unterscheiden sich die nationalen Umsetzungen: Das Mindestgehalt für eine erfolgreiche Kartenbeantragung liegt bei knapp 20.000 Euro im Jahr
Mehr lesen

GUS Germany GmbH integriert Lehrmaterialien von Harvard Business Impact in die Lehre an Gisma, UE und BSBI

Neue Initiative stärkt praxisorientierte Management- und Employability-Kompetenzen für Studierende und Lehrende Internationale Lernformate für die Arbeitswelt von morgen Berlin/Potsdam, 21. Mai 2026 – Die GUS Germany GmbH (GGG), eine der größten privaten Bildungsgruppen Deutschlands, erweitert ihr akademisches Angebot an der BSBI School of Business and Innovation, der University of Europe for Applied Sciences (UE) sowie
Mehr lesen