
Rathaus-Report 2026: Männlich, CDU-nah, besser bezahlt – Deutschlands Oberbürgermeister:innen im Überblick
Am 13. September wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt, parallel dazu stehen in zahlreichen Kommunen auch Oberbürgermeisterwahlen an. Ein guter Anlass, um die aktuelle Zusammensetzung der Rathausspitzen in Deutschland zu untersuchen. Wir hatten diese Untersuchung bereits im vergangenen Jahr durchgeführt und sie nun für 2026 wiederholt. Das Ergebnis ist stabil: Nach wie vor sind 9 von 10 Oberbürgermeister:innen männlich, meist CDU-nah, und sie verdienen im Schnitt über 137.000 Euro im Jahr – Tendenz steigend.
Parteienlandschaft: CDU weiterhin vorn, SPD und Parteilose dicht dahinter
Im Parteienvergleich bleibt die CDU stärkste Kraft: Sie stellt aktuell 29,7 Prozent der Oberbürgermeister:innen (99 von 333), gefolgt von parteilos Gewählten mit 25,8 Prozent (86) und der SPD mit 24,6 Prozent (82). Zusammen vereinen diese drei Gruppen fast 80 Prozent aller Rathausspitzen auf sich. Die CSU liegt bei 6,9 Prozent (23), die Grünen bei 3,6 Prozent (12), während kleinere Parteien und lokale Wählervereinigungen wie FWG, Freie Wähler, FDP oder Die Linke jeweils im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen. Das bestätigt die Ergebnisse des Vorjahres: Kommunalpolitik bleibt fest in der Hand der etablierten Parteien.
Ein weiterhin klar männlich geprägtes Amt
Von den 333 erfassten Rathausspitzen sind 302 männlich (90,7 Prozent) und 31 weiblich (9,3 Prozent), die Verteilung hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Das Durchschnittsalter liegt 2026 bei 50,5 Jahren (Median 53 Jahre) und damit leicht unter dem Vorjahreswert. Die jüngste Person im Amt ist Michael Jahn (SPD), Oberbürgermeister von Günzburg, Jahrgang 1995 (31 Jahre). Die ältesten im Amt sind gleich drei Jahrgang-1956er: Harry Mergel (SPD, Heilbronn), Klaus Eberhardt (SPD, Rheinfelden) und Heinrich Kohl (CDU, Aue-Bad Schlema) – alle 70 Jahre alt.
Gehälter: Deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr
Die Vergütung der Rathausspitzen richtet sich weiterhin nach den Landesbesoldungstabellen, maßgeblich bestimmt durch die Einwohnerzahl der jeweiligen Stadt. Für 2026 zeigt die Prognose: Die Mindestbezüge variieren zwischen 92.244 Euro und 209.176 Euro pro Jahr. Im Durchschnitt liegt das Mindestgehalt bei 137.087 Euro, ein Anstieg von rund 3.500 Euro gegenüber dem Vorjahreswert von 133.606 Euro. Nicht in dieser Berechnung enthalten sind die 17 niedersächsischen Kommunen, da dort erst am 13. September gewählt wird und die künftige Besoldung von Ausgang und Einstufung abhängt, sowie zwölf thüringische Kommunen, für die derzeit keine verlässliche Prognose vorliegt.
Typische Namen an der Rathausspitze
Bei den Vornamen zeigt sich ein bekanntes Muster: Am häufigsten vertreten sind Michael (16), Thomas (13), Frank (neun), Christian und Markus (je acht) sowie Daniel und Sven (je sieben). Bei den Frauen führt der Name Petra (drei), gefolgt von Claudia, Katrin und Monika mit je zwei Nennungen. Alle weiteren weiblichen Vornamen kommen jeweils nur einmal vor.
Namen mit internationalem Bezug bleiben die Ausnahme, etwa Belit, Claudio oder Ignazio, und machen nur einen Bruchteil der insgesamt 333 erfassten Rathausspitzen aus.
„Über den Ruf nach mehr Geschlechter- und Generationenvielfalt hinaus liegt die eigentliche Chance darin, wie Führungslaufbahnen für diese Ämter überhaupt entstehen. Strukturierte Talentprogramme, die Fachkräfte aus nichtpolitischen Bereichen wie Technologie, Sozialunternehmertum oder Nachhaltigkeit gezielt auf Bürgermeisterämter vorbereiten, könnten die Ideenvielfalt auf kommunaler Ebene erheblich bereichern. Ebenso würden länderübergreifende Austauschprogramme, bei denen potenzielle Führungskräfte von urbanen Governance-Modellen im Ausland lernen, dringend benötigte Impulse in die deutsche Kommunalpolitik bringen. Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, wer gewählt wird, sondern auch darin, wie wir den Kreis derjenigen erweitern, die überhaupt eine Kandidatur in Erwägung ziehen – nur so können Deutschlands Städte von Persönlichkeiten geführt werden, die die Vielfalt der Gesellschaft wirklich widerspiegeln”, sagt Prof. Dr. Sara Ravan Ramzani, Vizepräsidentin der Gisma University of Applied Sciences.
Methodik
Für die Analyse hat die Gisma University of Applied Sciences 333 Oberbürgermeister*innen in Deutschland untersucht (je nach Vollständigkeit der einzelnen Merkmale). Erfasst wurden Geschlecht, Geburtsjahr, Amtsantritt, Parteizugehörigkeit sowie prognostizierte Mindestbezüge gemäß den Landesbesoldungstabellen für 2026. Die Gehälter wurden auf Jahresbasis berechnet; Nebeneinkünfte oder zusätzliche Zulagen sind nicht berücksichtigt. Für Niedersachsen (Kommunalwahl am 13. September 2026) sowie für Thüringen liegen noch keine verlässlichen Prognosewerte vor und wurden bei der Gehaltsberechnung ausgeklammert. Altersangaben beziehen sich auf das Jahr 2026.