
EU-Arbeitserlaubnis-Analyse: Rumänien, Portugal und Bulgarien mit den niedrigsten Gehaltshürden für internationale Fachkräfte – Expats in Deutschland müssen mindestens 50.000 Euro für eine Blue Card verdienen
Fachkräfte aus Drittstaaten, die in Deutschland arbeiten möchten, müssen dafür mindestens 50.700 Euro jährlich verdienen. So sieht es die EU-Blue-Card vor, die europaweit als Arbeitserlaubnis für hochqualifizierte Nicht-EU-Bürger gilt. Trotz einer gemeinsamen EU-Richtlinie, die den Rahmen vorgibt, unterscheiden sich die nationalen Umsetzungen: Das Mindestgehalt für eine erfolgreiche Kartenbeantragung liegt bei knapp 20.000 Euro im Jahr (Rumänien) und über 71.000 Euro (Niederlande). In unserer Analyse wurden alle 24 teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten systematisch verglichen, nach Gehaltsschwellen, Bearbeitungsgebühren, Kartenlaufzeiten und aktuellen Gesetzesreformen.
Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld
Im Durchschnitt aller teilnehmenden EU-Staaten liegt die Gehaltsschwelle für die Blue Card bei 41.087 Euro jährlich. Mit einer Gehaltsschwelle von 50.700 Euro jährlich liegt Deutschland damit im oberen Mittelfeld. Höhere Anforderungen stellen Österreich (55.678 Euro), gefolgt von Belgien-Brüssel (56.976 Euro), Schweden (57.056 Euro) und Frankreich (59.373 Euro). Mehr als 60.000 Euro erwarten Belgien-Flandern (63.586 Euro), Luxemburg (65.653 Euro) und Belgien-Wallonien (68.815 Euro). Spitzenreiter mit der höchsten Gehaltsforderung sind die Niederlande mit 71.304 Euro. Für Fachkräfte in Mangelberufen gilt in Deutschland eine abgesenkte Schwelle von 45.934 Euro.
Wo die Hürden am niedrigsten sind
Am günstigsten kommen Fachkräfte in Rumänien an die Blue Card: Hier reichen 19.815 Euro jährlich. Ähnlich niedrige Schwellen gelten in Portugal (21.030 Euro) und der Slowakei (23.933 Euro). Bulgarien (24.648) und Kroatien (27.486) liegen ebenfalls noch deutlich unter dem EU-Schnitt, ebenso Slowenien (31.273 Euro), Griechenland (32.000 Euro), Lettland (32.676 Euro) und Ungarn (33.336 Euro), allesamt weit unter dem deutschen Wert.
Dänemark und Irland ohne Blue Card
Nicht alle EU-Staaten setzen die Richtlinie um: Dänemark und Irland haben sich gegen die Einführung der EU Blue Card entschieden. Fachkräfte, die in diesen Ländern arbeiten möchten, müssen nationale Genehmigungsverfahren durchlaufen.
Gebühren: Malta und Finnland deutlich teurer als der Rest
Auch bei den Kosten für die Kartenausstellung klaffen erhebliche Lücken. Malta hat seine Gebühren 2026 verdoppelt und verlangt nun 600 Euro für die Erstausstellung, den höchsten Wert in der EU. Finnland folgt mit 530 Euro, Frankreich mit 449 Euro. Besonders günstig ist die Beantragung dagegen in Bulgarien (56 Euro), Luxemburg (80 Euro) und Slowenien (85 Euro). Deutschland gehört mit 100 Euro Kosten zu den unteren Top fünf.
Die Laufzeit der Karten ist ebenfalls länderspezifisch: Während Bulgarien, Estland, Slowakei und die Niederlande eine Laufzeit von bis zu fünf Jahren gewähren, stellen Österreich, Finnland, Portugal und Malta die Karte zunächst für maximal zwei Jahre aus.
2026 als Reformjahr: Frankreich, Schweden und Malta ziehen an
Das Jahr 2026 hat in mehreren Ländern spürbare Änderungen gebracht. Frankreich hat zum 1. Mai 2026 sowohl die Gehaltsschwelle als auch die Kartengebühren stark erhöht. Schweden führt ab Juni 2026 neue Gehaltsregeln ein (mindestens 90 Prozent des Durchschnittsgehalts), macht eine umfassende Krankenversicherung zur Pflicht und verlängert die Kartenlaufzeit auf vier Jahre. Auch Malta hat die Bedingungen verschärft: Die Kartengebühren wurden verdoppelt und Fachkräfte müssen vor der Einreise einen verpflichtenden Skill-Pass absolvieren.
„An der Gisma University of Applied Sciences bilden wir internationale Fachkräfte auf dem Campus aus und unterstützen aktiv ihre Integration in den europäischen Arbeitsmarkt. Doch Bildung allein reicht nicht aus. Europa braucht auch transparentere und leichter zugängliche Wege zur EU-Blue-Card, um sicherzustellen, dass hochqualifizierte Fachkräfte nicht durch bürokratische Hürden aufgehalten werden, bevor sie überhaupt die Chance haben, einen Beitrag zu leisten“, sagt Ramon O’Callaghan, Präsident der Gisma University of Applied Sciences.